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Neue Berufschancen für SUVA-Bezüger

(grenchen.net) In seinem Zweigbetrieb in Burgdorf hat der Grenchner Unternehmer Heinz Müller zwei ehemaligen SUVA-Rentenbezügern eine Lehrstelle geschaffen, mit der sie nicht nur einen neuen Beruf erlernen, sondern sich auch wieder in die Berufswelt eingliedern können. Dies im Rahmen eines Pilotprojektes, das von der Swissmechanic, der SUVA und der IV gemeinsam durchgeführt wurde.

Die Swissmechanic, der Dachverband der mechanisch-technischen und elektrotechnischen/elektronischen Berufsgruppen hat ein Problem. Immer weniger junge Leute entschliessen sich zu einer Beruflehre in diesem Bereich. Und viele, die erfolgreich eine Lehre abgeschlossen haben, besuchen anschliessend eine höhere Fachschule, sie arbeiten also nicht in den Produktionsstätten dieser Betriebe. Der Dachverband hat deshalb zusammen mit der SUVA und der IV ein Pilotprojekt gestartet. Ziel dieses Projektes, das seit dem letzten Jahr läuft, ist es, Menschen, die aus irgend einem Grund ihren angestammten Beruf nicht mehr ausüben können, eine Lehre im Bereich der mechanisch-technischen und elektrotechnischen/ elektronischen Berufsgruppen
anzubieten. Doch die meisten dieser Menschen, sind nicht mehr in jugendlichem Alter, was in vielen Betrieben grosse Skepsis ausgelöst hat. Dies allerdings ohne Grund, wie an einer Medienkonferenz (Bild) in der Niederlassung Burgdorf der Grenchner Firma Elpex AG von Seiten der SUVA dargestellt wurde.

Im Jahr 2009 lief ein entsprechender Pilotversuch, und man habe damit nur gute Erfahrungen gemacht. „Die Leute sind hoch motiviert, sie wollen wieder zurück in die Arbeitswelt“, stellte Peter Diermann, Bereichsleiter der SUVA, an der Medienkonferenz fest. Dies konnte auch der Grenchner Unternehmer Heinz Müller bestätigen. Er war einer der ersten, der beim Pilotversuch 2009 mitgemacht hat und heute bereits zwei „Lehrlinge mit grauen Haaren“ in seinem Betrieb beschäftigt. „Auch ich war zu Beginn eher skeptisch“, gestand Müller, „doch wir haben nur beste Erfahrungen gemacht.“ Zudem stellt er fest, dass die beiden Lernenden in seinem Betrieb (der eine ist 44 und der andere 26 Jahre alt) nicht nur hoch motiviert seien, sondern dank ihres Alters auch über eine sehr hohe Sozialkompetenz verfügten.

Positiv äusserten sich auch die beiden Betroffenen. Beat Gerber (44) ist im 2. Lehrjahr zum Automatiker: „Ich bin froh, dass mir diese Chance geboten wird“, sagte er vor versammelter Presse. „Für mich als Familienvater ist es wichtig, dass ich einen neuen Beruf erlernen und damit wieder auf selbständigen Beinen stehen kann.“ Gute Erfahrungen hat auch Remo Immoos (26) gemacht. Der gelernte Bäcker, der wegen einer Allergie seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, lobte die Bereitschaft von Heinz Müller, dass er ihm die Ausbildung zum Automatikpraktier ermögliche. „Das gib mir neues Selbstvertrauen und ist für mich eine Chance, im Berufsleben wieder Fuss zu fassen.“

Das Pilotprojekt hat aber auch noch etwas anderes gezeigt. 2009 konnten insgesamt 14 SUVA-Versicherte eine Lehre beginnen. Dafür musste die SUVA 2009 insgesamt rund 115’000 Franken aufwänden, und konnte gleichzeit eine Rentenentlastung von rund 3,3 Millionen Franken erreichen.

Für Heinz Müller, Grenchner SVP Gemeinderat und Präsident der politischen Kommission der Swissmec, ist deshalb klar, dass dieses Projekt für die Zukunft beste Chancen hat. „Wir lösen damit zwei Probleme auf einen Schlag“, erklärte er gegenüber den Medien: „Zu einen können wir unseren Lehrlingsmangel mit motivierten Leuten teilweise ausgleichen, zum andern leisten wir damit einen namhaften Beitrag zur Entlastung der finanziell angeschlagenen Sozialwerke.“

Auch die SUVA ist von diesem Projektes überzeugt. Wie SUVA-Bereichleiter Peter Diermann ausführte, konnten im Jahr 2010 bereits zwanzig solcher Lehrstellen geschaffen werden. Insgesamt hätten bisher 235 Betriebe Interesse an einem „Lehrling mit grauen Haaren“ bekundet, mit 108 Betrieben werden derzeit noch Gespräche geführt. Ein kleines Detail am Rande: Wie die Statistik aus dem Kanton Bern zeigt, stammen rund die Hälfte der so vermittelten ehemaligen SUVA-Rentner/innen aus dem Ausland.