An mindestens 15 Schulreformen bastelt Bildungsdirektor Klaus Fischer. Fast wöchentlich werden Teile aus dem Reformhaufen nach hinten geschoben, so etwa die Aufhebung des Kindergartens und Einführung einer Basisstufe (Schule ab 4 Jahren) oder neuerdings auch die Integration von behinderten und schwachen Schülern in den Regelklassen.
Es ist nicht so, dass meine Partei wahnsinnig an diesen Bildungsreformen hängen würde - im Gegenteil - doch das chaotische Hin und Her (Regierungsrat Fischer bezeichnet es als «rollende Planung») führt dazu, dass weder die Lehrer, noch die betroffenen Gemeinden oder das Volk wissen, welche Reformen wann eingeführt werden. So wird jede Planung an der Basis abgewürgt.
Zudem dürfen wir die «Hauptdarsteller» bei dieser Bildungsreformflut nicht vergessen, die Schülerinnen und Schüler. Diese durchlaufen in ihrem Schulleben drei bis vier Reformen. Unter dem Deckmantel, dass dies zur Qualitätssteigerung in der Bildung führen soll, wird reformiert, was das Zeug hält. Leider ist das Gegenteil der Fall. Lehrerschaft und Schüler werden von den reformwütigen Politikern überfordert. Das kann man als Resultat an der Bildungsqualität bei den Schulabgängern eins zu eins ablesen. Leider zeigt hier das Barometer nach unten.
Schuld daran sind nicht die Lehrerschaft oder gar die Schüler. Hier trägt die Politik die Verantwortung. Neben der Reformflut werden der Lehrerschaft zunehmend Aufgaben übertragen, die ins Elternhaus gehören und nicht ins Schulzimmer. Anstatt, dass die Politik der Lehrerschaft zur Seite steht und dafür sorgt, dass in den Schulzimmern wieder Ordnung herrscht (renitente Schüler und Störenfriede haben im Klassenzimmer nichts zu suchen), werden die Lehrkräfte mit Reformen zugepflastert. Die Zeit, um die Schüler auf ihr Leben nach der Schule vorzubereiten, wird immer mehr mit unnötigem administrativem Aufwand vergeudet. Das stört die SVP. Wir wollen, dass die Lehrerschaft wieder ihren Auftrag erfüllen kann, nämlich den jungen Menschen den Rucksack bildungstechnisch für das Leben zu füllen. Dazu benötigt sie wieder mehr Zeit, Reformruhe und vor allem müssen Lehrer wieder die Chefs im Schulzimmer sein. Hier muss die Politik der Lehrerschaft helfen und ihnen Rückendeckung geben.
Der Kantonsrat verlangte im Juni von der Regierung eine Priorisierung der Reformvorhaben. Die Regierung muss nun das tun, was jede Regierung (speziell CVP-Regierungsräte) hasst wie der Teufel das Weihwasser. Sie muss im Reformhaufen Ordnung schaffen, Entscheidungen fällen und klare Prioritäten setzen. Das Parlament will wissen, welche Reformvorhaben in erster, welche in zweiter Priorität umgesetzt und welche allenfalls hinausgeschoben oder ganz gestrichen werden.
Das Umfeld hat sich in wenigen Wochen verändert. Im Kanton Aargau lehnte das Volk fünf Bildungsvorlagen ab. Der dortige Bildungsdirektor wurde abgewählt. Mittels Gemeindeinitiative wollen die solothurnischen Gemeinden mehr Geld vom Kanton zur Abgeltung von Reformkosten im Schulbereich. Die Vernehmlassung über den Bildungsraum Nordwestschweiz soll, laut gut informierten Kreisen, schlecht ausgefallen sein. Und die miserable Entwicklung der Kantonsfinanzen verlangt ein Stopp der aus den fetten Jahren stammenden Bildungsbegehrlichkeiten.
Kolumne
von SVP-Präsident Heinz Müller, Kantonsrat, Grenchen,
am 3. Juli 2009 in der Solothurner Zeitung und im Grenchner Tagblatt.
